3.2.4 Böse Spiele: Religion und Liebe

 

Den Ursprung des Bösen sieht Humble nicht im Teufel, weil böse Geister von Menschen erdacht seien, um eigene Verbrechen zu rechtfertigen.1 Er schreibt: Irgendwie im Prozess der Evolution vor vielen Äonen hat ein Mann […] einen Fehler gemacht und seinen Mitmenschen verletzt“; danach machte dieser Mann viele weitere Fehler, bis er seine Schuld fühlte, wofür er jedoch immer Rechtfertigungen fand; und so steigerte sich alles weiter, bis angefangen wurde, auch sehr große Fehler bzw. negative Emotionen zu rechtfertigen.2 Dennoch behauptet Humble, dass der Ursprung des Bösen irgendeine Art von einer bösen Macht“3 sei. Das schwammige Adverb „irgendeine“ führt allerdings zum Ergebnis: Es soll zwar kein Teufel gewesen sein, aber einer, der so genannt wird, bzw. irgendeine böse Macht.

 


Jedenfalls spricht Humble von bösen Menschen. Grundsätzlich gliedert er die Menschen in hierarchisch geordnete Klassen. Oben stehen etwa eine Million Götter, gefolgt von etwa 100.000 Mensch-Göttern bzw. guten Spielern; auf der nächstunteren Stufe befinden sich böse Pieces (Stücke) und noch bösere Broken Pieces (Kaputte Stücke).4 Diese Pieces werden laut Humble absichtlich und versehentlich über Millionen von Jahren von Spielern geschaffen, besitzen aber vergleichsweise weniger Kontrolle über den Geist und werden somit von ihren Emotionen zum Bösen verleitet.5 Dies erklärt Humble in Erleuchtung nicht genau und verweist auf die Möglichkeit bei ihm hierzu die Schrift Creating Pieces (Erschaffung von Stücken) anzufordern; schließlich sei die Entstehung von Pieces unter Verwendung vom Wahrheit-Detektor bewiesen worden. Mit Detektor meint Humble wahrscheinlich das E-Meter von Scientology. Auf jeden Fall sollen alle Kriege von Broken Pieces wie Hitler und Stalin inszeniert worden sein.6 Als Musterbeispiel nennt Humble den Kosovokrieg, in dem die von Russen unterstützten Serben ganze Dörfer niedergebrannt und Familien erschossen haben sollen.

 




Wer ist also böse in Humbles Vorstellung? Seine Theorie zum Bösen ist mit seiner Religionskritik verbunden. Wiederholt kritisiert er die Religion als einen Feind der praktischen Erleuchtung. Aufgrund seiner religionsfeindlichen Äußerungen verbietet er Passagen aus dem 14. Kapitel der Erleuchtung zu zitieren, außer nur im gesetzlich erlaubten Rahmen.7 In diesem Kapitel wird Humble sehr blasphemisch, wenn er beispielsweise behauptet, dass Jesus Kreuzestod kein besonderes Opfer war, sondern eine leichte Last, vergleichbar mit einem kurzen Niesanfall. Dabei gebe es mehr Beweise für die Auferstehung von Elvis Presley als von Jesus. Und die Bibel – schreibt er an einer anderen Stelle – sei wie kein anderes Buch für das weltweite Blutvergießen verantwortlich; die Bibel sei schon immer von Kriminellen als Rechtfertigung genutzt worden und propagiere Intoleranz.8 „Christen töten gerade jetzt, und haben nie aufgehört“, schreibt Humble.9 Auch wenn Humble hauptsächlich das Christentum kritisiert, zielt er auf alle Religionen ab.10

 

Außerdem sollen die Religionen die Menschen daran hindern, Verantwortung zu übernehmen. Alle Religionen seien ein Mechanismus, um die Menschen im Schlamm zu halten und von ihrer Göttlichkeit wegzubringen.11 Der „grundlegende Zweck aller Religionen [sei] es immer gewesen, die Menschen daran zu hindern zu erkennen, dass sie selbst verantwortlich sind“12. Die Religionen mit ihren verschiedenen Botschaften haben anscheinend noch keinem geholfen.13 Darum ist Humbles Ansatz nicht Jesus, Buddha oder Mohammed,14 sondern ein praxisorientierter Mensch-Gott.

 


Das Christentum wird von Humble auch deshalb abgelehnt, weil er nicht an die rettende Kraft der Liebe glaubt.15 Die Liebe daure zu kurz, um Menschen glückliches Leben zu ermöglichen.16 Sie soll die „Menschen davon abhalten, selber Verantwortung zu übernehmen“17 und hätte keine Antwort auf Probleme der Menschheit.18 Auch christliche Liebe habe nie zum Frieden geführt, sondern verursache bis heute Kreuzzüge und Kriege: „All diejenigen, die in Afrika einander töten, sind entweder Christen oder Moslems, und beide Religionen lehren Liebe“19, kritisiert Humble. In einem Interview sagt er:

 

Seit hunderttausenden von Jahren hat sich an der Gewalttätigkeit des Menschen nichts geändert. Jesus, Mohammed und all die vielen hundert anderen großartigen Menschen – sie alle haben Liebe und andere positive Dinge gepredigt, ohne dass sich an der Gewalttätigkeit des Menschen etwas geändert hätte.20

 

Jesus – hier nur als ein Mensch und in einer Reihe mit Mohammed – habe mit seiner Liebe also angeblich die Menschen nicht zum Guten verändert.21

 


Abgesehen davon, dass Humble in der Liebe ein Mechanismus der Natur sieht, der das Überleben der Rasse bzw. Spezies ermöglicht,22 lässt er die Liebe als ein schönes Gefühl gelten: „Die Liebe ist nicht weniger nützlich als eine andere [positive] Emotion. Allerdings darf man nicht zulassen, von eigenen Gefühlen beherrscht zu werden. Man muss immer genau schauen, was richtig und falsch ist“23. Sein Liebesbegriff ist dementsprechend keineswegs christlich, sondern pragmatisch. Laut Humble ist es nicht notwendig Feinde zu lieben: „Sie müssen sich nicht schlecht fühlen, weil sie die bösen Jungs nicht lieben. Es ist nicht notwendig, um das Richtige zu tun“24; oder auch: Der Mensch „sollte gute Taten nicht von der Liebe abhängig machen, sondern sollte Gutes um seiner eigenen Integrität, seiner eigenen inneren Stärke willen tun25. Das heißt man soll dem Nächsten helfen, um selber eine höhere Ebene zu erreichen. Humble schreibt:

 

Die Menschen müssen einander mit Güte behandeln, nicht weil sie sich gegenseitig lieben, sondern weil sie wissen, dass es richtig ist. Liebe ist nicht notwendig, um uns zu lehren was recht ist. Wir sind Gott und wir wissen in uns was richtig und falsch ist.26

 

Wenn also Humble immer wieder seine Newsletters mit der netten Formulierung „wie immer in Liebe verbunden“ unterschreibt, sind diese Worte im Kontext seiner okkulten Weltanschauung zu verstehen und keineswegs im christlichen Sinne.


"As always with love"
Jim Humble



3.2.5 Spielende: Integrität, Reinkarnation, Karma


 

Der Weg zum Gewinnen des Spiels bzw. zum guten Karma ist laut Humble die steigende Integrität.27 Eine gute Integrität sei ein ehrliches, faires Handeln und guter Wille auf allen Lebensebenen.28 Humble schreibt:

Das Geheimnis lautet, dass sie ihre Integrität aufwerten müssen. Was bedeutet das? Integrität zielt auf die Vollständigkeit von allem. Integrität ist die Gesamtheit des jeweiligen Sachverhalts oder Gegenstands. Daher muss ein Mensch alle Bereiche seines Lebens prüfen und entscheiden, wie er sie verbessern kann.29

 

Dies sei die einzige Möglichkeit aus diesem Universum herauszukommen; wobei die Integrität aus einem selbst komme und nicht von Gott oder Teufel.30 Steigerung der eigenen Integrität bedeutet eine Zunahme an positiven Eigenschaften und damit verbundenes Einswerden mit Gott, denn Gott sei die totale Integrität.31

 


Die Lebensdauer und Lebensqualität hängen nach Humble vom Maß an Integrität im jetzigen Leben ab.32 Die schlechte Integrität verursache schlechtes Karma und würde in der nächsten Reinkarnation bestraft werden. Laut Humble haben wir „in den nächsten Jahrmillionen noch viele Lebenszeiten vor uns, und ob sie diese genießen oder als sehr schmerzhaft empfinden werden, hängt von ihrer persönlichen Integrität ab“33.

 

Wer sogenannte böse Spiele spielt, beispielsweise die Poliomyelitis-Impfung befürwortet, bekommt gemäß Humble ein schlechtes Karma.34 Allerdings können sogar die bösen Pieces ihre Integrität erhöhen und Gott werden.35 Die weniger starken sollen dagegen zum Nichts werden.36 Jeder würde nach seinem Spiel belohnt oder bestraft: Diejenigen, die ihrer Religion nach eine Hölle schufen, würden in diese kommen; das gleiche gilt für den Himmel.37 Doch der Himmel mache keinen glücklich, sondern verrückt, weil er langweilig sei, weshalb angeblich die Menschen freiwillig auf die Erde zurückgehen, um ein neues Spiel zu spielen; denn die Langeweile sei das schmerzhafteste aller Gefühle und die schlimmste Emotion.38 Dieses freiwillige Reinkarnieren aus Langeweile widerspricht allerdings bereits beschriebenen Behauptungen von Humble über Implantate der Bösen, welche im Himmel eingesetzt werden, um die Gefangenen zurück auf die Erde zu schicken. Die Reinkarnation als das Beenden der Langeweile wird von Humble positiv bewertet, weil die Freude am Spiel für ihn die höchste Ebene innerhalb dieses Universums ist.39

 


Integrität – lateinisch: vollständig, unversehrt, intakt.

 

Reinkarnation –  lateinisch: Wiederverkörperung.

 

Karma bedeutet, dass jede Handlung Folgen für die nächste Reinkarnation hat.



Diese Freude entstehe wiederum durch Drama, welches das Ziel sei.40 Drama sei ein geheimer Name des Universums: „Vor allem sucht der Spieler Freude. Die Freude in die Spiele dieses Universums zu spielen. Die Spieler versuchen, Drama im Spiel zu erstellen. Dieses Drama bringt Freude“41. Die Belohnung sei außerdem in diesem Fall eine friedliche Welt, zu der der Spieler beigetragen hat.42 Wenn dagegen – so Humble – ein Spieler das Spiel des Universums verlassen will und die „erforderlichen Voraussetzungen erfüllt sind, kehrt er zurück in die Ewigkeit“, wo es weder Belohnung noch Strafe gibt.43

 

Der geheime Grund für die Existenz in diesem Universum sei das Spiel, um positive Emotionen zu schaffen.44 Humble geht es also um Freude und Spaß, denn die Freude sei besser als die Liebe, da sie keine Katastrophen hervorrufe.45 Humble appelliert:

 

Gehen sie also hinaus in die Welt, stürzen sie sich mit Feuereifer ins Spiel und genießen sie ihr Leben in vollen Zügen. Sie wissen, wer sie sind und worum es in diesem Universum geht. Es geht im Allgemeinen um Spaß und Freude. Haben sie also Spaß. Spielen sie das Spiel, aber nehmen sie es nicht zu ernst.46

 

So weit Humbles praktische Schlüsse aus seinen Überlegungen.

 



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1 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 12 und 21.

2 Ebd., Kap. 12.

3 Ebd., Kap. 22.

4 Ebd., Kap. 11.

5 Ebd.

6 Ebd.

7 Wahrscheinlich will Humble sich vor dem Vorwurf der Volksverhetzung oder Ähnlichem schützen, weil ansonsten das Zitieren aus einem Buch gesetzlich nicht verboten ist.

8 Ebd., 1. Buch.

9 Ebd.

10 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 14.

11 Ebd., Kap. 23.

12 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.

13 mmsnews.is, „Update on MMS’s fight for freedom“.

14 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 19.

15 mmsnews.is, „Update on MMS’s fight for freedom“.

16 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 15.

17 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.

18 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 20.

19 Ebd., Kap. 15.

20 Jim Humble, „Jim Humble und die Geschichte hinter MMS“, 67.

21 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, 1. Buch

22 Ebd., Kap. 15 und 20.

23 Ebd., Kap. 15.

24 Ebd.

25 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.

26 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 20.

27 Ebd.

28 Ebd., Kap. 16.

29 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.

30 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 2.

31 Ebd., Kap. 11.

32 Ebd., Kap. 16.

33 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.

34 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 13.

35 Ebd., Kap. 16

36 Ebd., Kap. 11.

37 Ebd., Kap. 9.

38 Ebd., Kap. 2, 9, 20.

39 Jim Humble, Secrets of Enlightenment, Kap. 2.

40 Ebd., Kap. 3.

41 Ebd., Kap. 13. Hervorhebung im Original.

42 Ebd., Kap. 9.

43 Ebd.

44 Ebd., Kap. 2.

45 Ebd.

46 Jim Humble, „Geheimnisse der Erleuchtung“.


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